Was ist LRS


1. Fakten und Zahlen
* es gibt keine dummen Schüler
* Legasthenie ist laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) eine Krankheit (ICD 10 Klassifizierung)
* Legasthenie ist genetisch bedingt
* Ca. 4% aller Menschen 'leiden' darunter
* D.h. alleine in Deutschland gibt es ca. 4.5 Mio Legastheniker
* Somit in jeder Schulklasse ca. 1 - 3 Kinder
* Legasthene Schüler sind nicht dumm oder faul, sie lernen nur anders und manchmal beim Schriftspracherwerb langsamer
* Meist sind sie durchschnittlich, häufig überdurchschnittlich intelligent
* S haben eine 'Buchstabenallergie' sind aber dafür in anderen Gebieten meist außerordentlich begabt
* Bei frühzeitiger Diagnose und adäquater Therapie sind gute Schulabschlüsse und ein Studium sehr realistisch
* Breits im Vorschulalter gibt es Indikatoren für eine Teilleistungsstörung

2. Definition
* Legasthenie: altgr. Legein: lesen, schreiben und astheneia = Schwäche = unfähig sein
* Unter Legasthenie versteht man eine massive und lang andauernde Entwicklungsstörung schulischer Fähigkeiten. Hierzu gehört die Lese- und Rechtschreibstörung (F 81.0) und die isolierte Rechtschreibstörung (F 81.0)
* Ein legasthener Mensch nimmt, bei guter oder durchschnittlicher Intelligenz seine Umwelt anders wahr, seine Aufmerksamkeit lässt, wenn er auf Symbole wie Buchstaben oder Zahlen trifft nach (Dr. Astrid Kopp Duller)

3. Ursachen
* Legasthenie ist genetisch bedingt: Chromosen 2,3,6,18 und vorallem 15
* Neurologie: Bereits bei Neugeborenen aus Risikofamilien zeigen sich abweichende Hirnstrommuster
* Bei Schülern und Erwachsenen konnten mit Hilfe bildgebender Verfahren beim Lesen Abweichungen der Aktivierungsmuster in der Großhirnrinde nachgewiesen werden. Diese betreffen vorwiegend die sprachverarbeitenden Zentren im Schläfen- und Stirnlappenbereich der linken Gehirnhälfte
* Die zuständigen Hirnzentren sind nicht ausreichend vernetzt oder/und arbeiten nicht ausreichend synchron
* Es liegen Hinweise auf ein Defizit in der Verarbeitung schneller Folgen von Stimuli vor, das auf eine wenig effiziente Weiterleitung in der Seh- und Hörbahn zurückzuführen ist
* Häufig findet man Wahrnehmungsdefizite im auditiven oder/und visuellen Bereich
* 60% der legasthenen Schüler haben Probleme ihren Blick bewusst so präzise zu steuern, wei es beim Lesen von Texten nötig ist

4. Diagnostik
a) Kleinkinder
Kinder durchschreiten mit ca. 18-24 Monaten die 50-Wort-Grenze und beginnen Zwei-Wort-Sätze zu verwenden. 13 - 20% können dieses noch nicht. Ca. die Hälfte der sog. late talkers holen den Entwicklungsrückstand auf bis zu einem Alter von 3 -4 Jahren. Bei den anderen manifestiert sich eine Sprachentwicklungsstörung. Bei ca. 50% dieser Gruppe wird später eine Legasthenie diagnostiziert

Frühindikatoren:
* übertriebens Stolpern, Anstoßen und Fallen
* Gute Auffassungsgabe für konstruktives und technisches Spielzeug (Lego, Puzzle)
* Genießt es, wenn ihm vorgelesen wird, zeigt aber selbst kein Interesse am Erlernen von Buchstaben und Wörtern
* Probleme beim Erlernen von Kinderliedern und Reimen
* Probleme beim Herausfinden eines nicht passenden Wortes (z.B. Haus, Maus, Katze, Laus)

Vorschulalter:
* das Erlernen des Sprechens kann spät erfolgen
* Verwendung von ähnlichen oder Ersatzwörtern
* Verwendung von falschen Bezeichnungen (z.B. Lampenschirm für Laternenpfahl)
* Lispeln
* Unfähigkeit die Bezeichnung für bekannte Objekte zu behalten (z.B. Farben)
* Durcheinander von richtungsweisenden Wörtern wie hinauf/hinunter, drinnen/draußen, links/rechts

Kinder bis 9 Jahre:
* Große Schwierigkeiten beim Lernen des Lesen und des Schreibens
* Vertauschen von Buchstaben (b/p; g/k; d/t)
* Regeln werden nicht behalten, nicht angewendet
* Groß- und Kleinschreibung fällt oft besonders schwer
* stockendes nicht sinnentnehmendes Lesen
* Unaufmerksamkeit im Fach Deutsch
* Schwierigkeiten bei Textaufgaben im Fach Mathematik


Kinder bis 12 Jahre:
* Für Schreibarbeiten wird überdurchschnittlich viel Zeit benötigt
* Probleme beim genauen Abschreiben
* Ablehnung beim Schreiben freier Texte
* Ohne Aufforderung wird kein Buch zur Hand genommen
* Hohe Fehlerzahl bei ungeübten Diktaten
* Probleme in Englisch
* Wachsender Mangel an Selbstvertrauen, Versagensängste, Depressionen, Schulunlust, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen
* Seelische Bedrohung
* Sekundärfolgen (d.h. Probleme können auf andere Schulfächer übergreifen)